An meine Antwort "Nichts", die ich einer alten Freundin vor ein paar Tagen auf die Frage gab, was es denn Neues aus Schmalkalden zu berichten gibt, musste ich heute Morgen sofort denken, als ich im Radio von dem riesen Erdloch inmitten unserer Stadt hörte.
In der Nacht von Sonntag auf Montag riss die Erde auf dem Kanonenberg in Schmalkaden, circa 200 Meter oberhalb des Krankenhauses, auf einer Fläche mit dem Durchmesser eines Handballfeldes einfach auf und hinterließ einen über zwanzig Meter tiefen Krater.
Über den zähflüssigeren Verkehr als sonst habe ich mich, so verschlafen wie ich noch war, nicht gewundert. Als ich dann aber gesehen habe, dass Übertragungswagen von
ntv,
n24 und dem
mdr in der Nähe des Krankenhauses stehen, wusste ich, dass hier irgendetwas nicht stimmen kann. Etwa zeitgleich begannen die Nachrichten des Radiosenders
JUMP und klärten mich über das aktuelle Geschehen auf. Über das Ausmaß war ich mir zu dem gegenwärtigem Zeitpunkt nicht bewusst.
Nachdem ich, dank des Staus, auf der Fahrt von der Fachhochschule nach Hause genügend Zeit zum Nachdenken hatte, bin ich mir sicher, dass der Erdfall nicht von Menschen verursacht wurde. Das Salzabbaugebiet von Merkers erstreckt sich nicht bis nach Schmalkalden, sodass das Loch wohl keine Folge des Kalibergbaus, wie beispielsweise in
Tiefenort nahe Bad Salzungen, circa 35 Kilometer von Schmalkalden entfernt, ist.
Auch ein angeblicher Luftschutzbunker stürzt nicht einfach so ein und reißt über 20.000 m³ Erdreich in die Tiefe. Da es in Schmalkalden keine U-Bahn gibt, kann dies,
anders als in Köln, sicher ausgeschlossen werden. Bleiben, meiner Meinung nach, nur noch natürliche Ursachen, wie zum Beispiel durch Wasser abgetragene Salz- und Gesteinsschichten, als Urheber der Katastrophe übrig.
Ich freue mich auf den geologischen Bericht, der Licht ins Dunkel bringen soll und auch wird. Damit sollten dann auch endlich die ganzen Spekulationen rund um die Ursache aufhören. Die ständige Schwarzmalerei gefällt mir eh nicht, so wird beispielsweise berichtet, dass der Krater weiterhin wächst. Tatsächlich sind die Wände des Loches sehr steil, und nach und nach rutscht der Abraum von Oben nach. Das ist ganz normal, als würde man eine viel zu steile Sandburg mit nassem Sand bauen und diese trocknet nach und nach aus. Werden die Wände durch die Austrocknung porös, so bröckeln sie ab. Ein tatsächlicher Wachstum des Trichters ist nicht festzustellen.
Die Verfüllung wird wohl sehr schnell vonstatten gehen, insbesondere, weil viele Bewohner derzeit ohne Strom, Gas und Wasser auskommen müssen. Allerdings bleibt auch abzuwarten, ob erst noch lose Erde abgetragen, oder gleich mit der Verdichtung durch zum Beispiel Kies begonnen wird. Auf die Idee Bauschutt in das Loch zu kippen kommen die Verantwortlichen hoffentlich nicht, denn das würde die Bildung von neuen Hohlräumen unter der Erde begünstigen.
Das Gelände ist weiträumig abgesperrt, und da die Zufahrtswege ohnehin sehr eng sind, ist eine Besichtigung nur schwer möglich. Ein Hubschrauber der Polizei kreist über dem Krater, um ein Gesamtbild erstellen zu können.